Was Arsenals Spielphilosophie noch zur Vollendung fehlt...
Thomas Maurer am 2012-04-11
... am Beispiel der Partie gegen Manchester City.
Mit einem 0:1 bei Arsenal verlor Manchester City wohl alle Titelhoffnungen. Dabei zeigte man nach vorne eine einfallslose und zu wenig abgestimmte Leistung – 0 Schüsse auf das gegnerische Tor lautete am Ende die ernüchternde Bilanz. Auch nach hinten wurden diverse Schwächen offenbar – gerade die Räume zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen wurden sehr schlecht verteidigt.
Auch wenn nach der Partie fast ausschließlich über den Verlierer geredet wurde, war es doch aus taktischen Gesichtspunkten viel interessanter, dass man die Nachteile der Spielphilosophie Arsenals an diesem Spiel und der Tatsache, dass man trotz der großen defensiven Schwachstellen des Gegners nur ein Tor erzielen konnte und in der ersten Halbzeit keinen einzigen Schuss auf das Tor verbucht hatte, sehen konnte.
Mit den großen Räumen, die City ihnen anbot, schienen die Nordlondoner nämlich überraschenderweise Probleme zu haben – sie kamen hier auch durch gute Vertikalpässe von Koscielny und Arteta immer wieder frei, wussten aber nicht, wie sie sich angesichts derart viel Freiraum zu verhalten hatten.
Zum einen erkannte man dies daran, dass Arsenal viel zu viele Schnittstellenpässe versuchte, die gegen die besonders eng stehende Viererkette, die somit diese Schnittstellen gut schließen konnte, aber kaum Aussicht auf Erfolg hatten. Da dies aber normalerweise ein integraler Bestandteil des Spielstils Arsenals ist, wurde es immer wieder praktiziert – immer mit ausbleibendem Erfolg. Arsenal fehlte hier die richtige Anpassungsfähigkeit an die Situation.
Zum anderen spielte man in dem Raum zwischen den Linien, der oftmals verhältnismäßig groß war, viel zu hastig und nahm sich keine Zeit. Hier zeigten sich die Nachteile der Wenger´schen One-Touch-Doktrin in ganz besonderem Ausmaße, welche seine Spieler in diesen weiten Räumen zu direktem und schnellem Spiel verleitete. Allerdings war dies gar nicht nötig, da man viel Zeit gehabt hätte, die Bälle anzunehmen und anschließend den Angriff weiterzuspielen. So ging man aber mit dem zu schnellen Spiel unnötiges Risiko und verbaute sich damit vielversprechende Situationen selbst. Auch zweite oder abgeprallte Bälle wollte man immer sofort mit dem ersten Kontakt in die Tiefe spielen anstatt sie anzunehmen. Da viele dieser Bälle sehr schwer zu verarbeiten waren, entstanden aus eigentlich guten Chancen immer wieder – fast schon „blinde“ – One-Touch-Fehlpässe.
Da City allerdings auch in der zweiten Halbzeit sich nicht steigerte und Arsenal mit gutem Pressing und Manndeckung im Mittelfeld bei gegnerischem Ballbesitz nichts zuließ, war es klar, dass ein einziger Treffer für einen Sieg reichen würde. Die sehr guten Vorstöße der beiden Außenverteidiger mit ihren vielen Flanken sorgten für Gefahr, doch man nutzte seine Chancen nicht – bei einer Dreifachmöglichkeit stocherte Rosický den Ball nicht ins leere Tor, sondern aus einem Meter an den Pfosten. Schließlich war es dann Arteta, der aus den Freiräumen die nötige Konsequenz und Abgeklärtheit zeigte, indem er sich Zeit nahm, seine Aktion vorbereitete und mit einem Schuss aus etwa 20 Metern für den Sieg sorgte.
Abschließend soll aber noch einmal auf die Spielphilosophie Arsenals geblickt werden, die über Jahre gewachsen ist und schon einige beachtliche Erfolge erzielte. Es mag so erscheinen, als ob sie in diesem Bericht negativ bewertet würde, doch dem ist nicht so. Vielmehr muss die grundsätzliche Idee Arsene Wengers nur gelobt werden, doch das große Problem seiner Mannschaft ist es, dass man zum einen die Konsequenz während des „Schönspielens“ vergisst und zum anderen in bestimmten Situationen – wie hier gegen Manchester City – nicht auf diese reagiert und die Spielweise in ihren Feinheiten und Details nicht an sie anpasst. Diese beiden kleinen Aspekte sind wohl die fehlenden Teilchen, die aus Arsenal – einem Klub mit großen Anlagen bezüglich des Spielermaterials und der Philosophie – eine absolute Topmacht im Fußball formen und das Lebenswerk des französischen Toptrainers (vielleicht gar mit einem Titel) vollenden könnten. Die Zeit wird zeigen, ob es Wenger gelingt, in den kommenden zwei oder drei Jahren seiner Mannschaft diese Reife beizubringen, dass sie diese letzte Stufe der Entwicklung erklimmen kann.
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Autor: TR
