Die scharfe Grenze zwischen Amateurverein und Profibetrieb
Thomas Maurer am 2012-01-23
Wie groß ist in Österreich der Schritt zwischen Amateurbereich und Profitum?
Das haben wir uns gefragt und mit Gernot Taendler, dem Vereinssprecher des DSV Leoben, jemanden gefunden der das weiß. Der Traditionsklub DSV Leoben ist 2009 aus der ERSTEN LIGA abgestiegen und spielt heuer die dritte Saison in der Regionalliga Mitte. Seiner Meinung nach ist die Umstellung zwar eine große, der Leistungsunterschied am Platz aber gar nicht so groß, wie man vielleicht erwarten könnte. Im Gespräch mit IM NETZ spricht er außerdem über das österreichische Ligasystem und die Ziele des DSV Leoben.
IM NETZ: "Der DSV ist seit dem Abstieg 2009 Regionalligist. Wie lebt es sich als Traditionsverein in der dritten Spielklasse? Der DSV ist ja nicht allein, auch Steyr und der GAK sind Teil der elitären Gruppe von ehemaligen Topklubs in der Regionalliga Mitte."
Gernot Taendler: "In der ersten Zeit war es natürlich schwer den Umstieg vom Profifußball in den Amateurbereich zu schaffen. Vor allem nach unseren vielen Profijahren war es eine große Herausforderung auch unseren Anhängern wieder einen Grund zu liefern, hinter „ihrem“ DSV Leoben zu stehen. Wenn man aber den Umstieg in den Amateurbereich schafft und auch kontinuierlich auf die eigene „Traditionsstärke“ mit regionalem Bezug setzt, dann lebt es sich auch in der dritten Spielklasse ganz gut. Das heißt aber nicht, dass wir uns langfristig damit zufrieden geben."
Davor war man seit 1956 immer Erst- oder Zweitklassig. Was ist der größte Unterschied? Wie hat sich die Arbeitsweise im Verein verändert?
Die Arbeitsweise hat sich gänzlich verändert, aber das liegt zum größten Teil an den handelten Personen. Alle Funktionäre die jetzt bei diesem Verein tätig sind, sind das ehrenamtlich und machen ihre Sache aus Überzeugung. Das Ziel des Präsidenten und des gesamten Vorstandes ist es, den Verein auf eine breite Basis zu stellen und eine Plattform für diverse Partner aus der Wirtschaft zu werden. Erste tolle Partnerschaften konnten bereits eingegangen werden und Weitere sind kurz vor dem Abschluss. Damit wird gesichert, dass man eine Basis schafft, die es letztendlich erlaubt auf sportlicher Ebene von den Kindern bis hin zur Kampfmannschaft auf überdurchschnittlich hohem Niveau zu arbeiten.
Der Zuschauerzuspruch in Leoben war in letzter Zeit nicht sehr groß. Gibt es dafür spezielle Gründe? Will bzw. kann man das ändern? Mehr Zuseher ins Stadion locken?
Ja, dafür gibt es Gründe. Der DSV Anhänger wurde über lange Zeit nicht sehr fein behandelt und das hat letztendlich, auch schon in den letzten Profijahren, zu einem verständlichen Zuschauerschwund geführt. Speziell lag es daran, dass Versprechungen nicht eingehalten wurden und der Stadionbesucher einfach nicht (an)gehört wurde. Dass wir das ändern wollen ist klar. Auf der einen Seite gibt es mittlerweile ein offenes Ohr für jeden „DSV’ler“ und auf der anderen Seite ist jeder willkommen, der ein Teil des DSV Teams sein will, egal auf welcher Ebene. Einige Spiele im Herbst haben uns auch schon gezeigt, dass der DSV nach wie vor ein Zuschauermagnet sein kann.
Letztendlich ist der der typische Leobner sehr treu, aber wenn man ihn einmal verärgert hat, dann braucht es sehr viel Zeit und Energie ihn wieder zurückzugewinnen. Wir glauben aber, dass wir das schaffen werden.
Was sind aktuell die Ziele des Vereins, sportlich wie auch strukturell und wirtschaftlich?
Sportlich wollen wir uns diese Saison in der ersten Hälfte der Tabelle festsetzen und schauen wie weit wir nach vorne kommen können.
Strukturell wollen wir einen Verein für Jedermann schaffen, aber ganz speziell für unsere Jugend. Dazu arbeiten wir intensiv an einem Jugendkonzept, welches aktuell Formen annimmt und den regionalen Bezug des Vereins dauerhaft festigen soll.
Die wirtschaftliche Basis ist die Grundvoraussetzung um etwas Besonderes zu schaffen. Wir sind fest davon überzeugt, dass gerade auf dieser Ebene tolle Projekte im Entstehen sind und wir als DSV Leoben dadurch ein sehr interessanter Partner für die unterschiedlichsten Wirtschaftstreibenden sind.
Es gibt immer wieder Diskussionen über das österreichische Ligasystem. Nun, wie sieht man das als Regionalligist? „Passt es“, so wie es ist? Würde man etwas ändern wollen?
Neuzugang Adam Fekete |
Zu diesem Thema kann man sicher keine Pauschalaussage treffen, weil es einfach zu komplex ist. Meiner Meinung nach ist es aber nicht zielführend eine (bereits diskutierte) Österreichweite, dritte Liga einzuführen, weil das für einige Vereine nicht zu finanzieren wäre. Auf Grund der stätigen Probleme in den beiden Bundesligen glaube ich, dass Österreich einfach keine zwei Profiliegen verträgt und man vielleicht über die Existenz der aktuellen zweiten Liga, oder zumindest Reformen nachdenken sollte. Ebenfalls kann es nicht sein, dass ein Verein in der Regionalliga Meister wird und dann unter Umständen gar nicht aufsteigt. Dieser Umstand kann einen Regionalligaverein, ziemlich ins „Trudeln“ bringen, was einfach überdacht werden sollte.
Wie gesagt, das ist aber nur meine persönliche Meinung.
Transferzeit. Was gibt’s neues in Leoben?
Wir haben einen Neuzugang. „Adam Fekete“ trainiert bereits mit der Mannschaft und macht einen sehr guten Eindruck. Weiter wird sich aus heutiger Sicht nichts mehr tun. Unser Ziel ist es aus dem aktuellen Spielermaterial das Optimum herauszuholen. Wir glauben nämlich, dass wir in unserem Kader über sehr großes Potential verfügen und dieses einfach ausschöpfen müssen.
Beim DSV haben immer wieder Spieler auf sich aufmerksam gemacht, beispielsweise Gratzei, Almer, Linz, Parapatits, Schachner und Marko Stankovic. Gibt es auch jetzt wieder Talente, die über Leoben und die Regionalliga in den Profibereich kommen wollen?
Definitiv, das unsere „DSV Juniors“ in der Oberliga auf Platz Eins liegen ist nur ein Indiz, dass wir da großes Potential haben. Ein Pool von Sechs, Sieben Spielern hat sicher die Möglichkeiten in der Regionalliga Fuß fassen zu können. Wenn diese jungen Spieler hart an sich arbeiten, dann ist für den Einen oder Anderen auch der Sprung in den Profibereich möglich, auch in die erste Bundesliga.
Wie läuft die Jugendarbeit in Leoben? Wie viele Jugendmannschaften und Spieler hat der Verein im Moment?
Wir haben durchgängig Jugendmannschaften von der U7 bis zu den DSV Juniors. Wir profitieren auch sehr von der Kooperation mit dem SV Hinterberg, welche uns dieses durchgängige Konzept ermöglicht. Wir arbeiten aber auch an einem Modell, welches uns auf ein noch höheres Niveau bringen wird. Dieses neue Konzept steht ganz weit oben auf unserer Prioritätenliste.
Ein Blick auf die Regionalliga. Wer wird Meister? Wer steigt ab? Wo landet man selbst?
Meister wird der GAK, ganz einfach weil dieser Verein aktuell auf allen Ebenen die größten Möglichkeiten hat und sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen lassen wird.
Den Abstieg kann man noch nicht zuordnen, da wird man schauen müssen wie sich die Mannschaften im Frühjahr präsentieren. Ich meine, dass es da noch viele erwischen kann.
Ich tippe uns selbst auf Platz 3 - 5, weil ich glaube, dass wir unser Potential im Herbst noch besser ausschöpfen werden.
Wie stark ist die Liga realistisch betrachtet? Wie groß ist der Niveauunterschied zwischen Regional- und Erster Liga?
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Die Liga ist nicht sehr weit weg von der Ersten Liga, aber natürlich gibt es einen Unterschied. Der Grund dafür liegt auf der Hand. Die Regionalliga ist halt keine Profiliga und bis auf wenige Ausnahmen hat man auch keine Profivoraussetzungen. Die meisten Spieler sind berufstätig und gehen nach dem Arbeiten trainieren, während in einem „Erste Liga – Profiverein“ das sportliche Umfeld vom Fußball lebt. Das heißt, dass diese Profispieler sich zu 100 Prozent auf Fußball konzentrieren können und dementsprechend auch mehr Trainingseinheiten und Spiele bestreiten. Aus diesem Grund ist das Niveau in der Ersten Liga klarer Weise höher. Ich glaube aber, dass in der Regionalliga nicht viel weniger Talente am Werk sind und eine RL Mannschaft an einem guten Tag auch eine „Erste Liga Mannschaft“ schlagen kann.
Wann wir den Klub wieder im Profibereich begrüßen können steht offen, die Voraussetzungen stimmen jedoch. Es wird professionell gearbeitet, die Jugend hat Klasse und die Begeisterung der Obersteirer für den Fußball sollte sich ja sicherlich wieder entfachen lassen.
Fotos: DSV Leoben



