Kolumne
MLS Notes by Michael Gspurning - Teil 4

IM NETZ Redaktion am 2012-12-03

Die Kolumne des Seattle Sounders Keepers über Fußball und das Leben in den USA. Exklusiv bei IM NETZ.


Hi und Servus wieder einmal vom Pazifik-Nordwesten der USA!

So, mein erstes Jahr in den Staaten ist vorüber. Da wir das Endspiel des MLS Cups nicht erreichten, endete die Saison aus unserer Sicht zwar ein Spiel zu früh , aber ich würde sie trotzdem als großartigen Erfolg beschreiben. Mit der Mannschaft erreichten wir ein denkwürdiges US Open Cupfinale (Pendant zum ÖFB Cup), indem wir nur im Elfmeterschießen gegen SC Kansas City den Kürzeren zogen. Dramatisch und außerordentlich schade, da es der 4. Triumph in Serie für die Sounders in diesem Bewerb gewesen wäre.

Dafür schafften es wir heuer endlich unseren Playoff "Monkey" zu besiegen und zum ersten Mal die Hürde Conference Semifinale zu überstehen. Noch dazu gegen Real Salt Lake, die sich in den letzten Jahren als Rivalen herauskristallisiert haben. Voriges Jahr noch Endstation mit einem 2-3 Gesamtscore, konnten wir heuer den Spieß umdrehen. Trotz 0-0 im Hinspiel in Seattle zogen wir mit einem 1-0 Erfolg auswärts in die nächste Runde ein. Die Freude war groß, aber die Auslosung wollte auch, dass wir drei Tage später schon in Los Angeles im Conference Finale (MLS Cup Halbfinale) antreten mussten. Da wir donnerstags keinen Flug mehr von Salt Lake zurück bekamen, kehrten wir erst freitags nach Seattle heim (3h Flug)und am nächsten Morgen ging's schon wieder im Flieger drei Stunden Richtung Süden.

Das Spiel gegen die Galaxy hatten wir in den ersten 45 Minuten durchwegs unter Kontrolle. Beckham, Keane, Donovan, Willhelmson und Co taten sich schwer ins Spiel zu kommen und sich Chancen zu erarbeiten. Eine dieser Chancen verwertete Robbie Keane dann leider eiskalt. Und zwar in der Nachspielzeit der ersten Hälfte. Mit diesem Rückschlag ging es in die Kabine und obwohl wir eigentlich genug Qualität und Routine haben, brach uns ein Doppelschlag innerhalb weniger Minuten in der zweiten Hälfte endgültig das Genick.

Mit dieser 0-3 Hinspielbürde, das wussten wir, musste ein Wunder her um im Rückspiel das Ruder noch herumzureißen. Aber wir glaubten fest daran und auch 45.000 Fans kamen nochmal ins Stadion die, zusammen mit uns, nicht aufgeben wollten. Es war richtig kalt und regnerisch. Perfekt um die Seattle-Atmosphäre auszunützen und in Tore umzumünzen. Und wir machten alles richtig. 1-0 nach wenigen Minuten, 2-0 kurz nach der Pause und wir rannten aufs 3-0 zu. Wir machten alles wie LA eine Woche vorher, aber noch überlegender und noch schneller. Ich hatte auch nicht wirklich viel zu tun bis, ja bis zu einem überaus harten Hand-Elfmeter gegen uns. Den daraus resultierenden Elfmeter verwandelte Keane und damit war auch der Sack zu....

Zumindest konnten wir uns mit einem 2-1 Sieg von den Fans verabschieden. Der Schmerz ist aber groß, da wir das MLS Cup Finale gegen Houston Dynamo in Seattle gespielt hätten. Da wäre richtig was los gewesen rund um den Pike Place Market.

Persönlich kann ich auch auf eine überaus erfolgreiche Saison zurückblicken und ich habe es trotz meiner fast zweimonatigen Verletzungspause in die Geschichtsbücher der MLS geschafft. Mit meiner GAA (Goal Against Average, Gegentore pro Spiel) von 0.73 habe ich den besten Wert der jemals von einem Nicht-Concacaf Tormann erreicht wurde erzielt. Großen Dank natürlich auch an meine Vorderleute.

Meine Leistungen führten auch dazu, dass ich für den besten Tormann und auch den Newcomer des Jahres von der MLS nominiert wurde. Eine riesige Ehre und man könnte sagen wirklich ein optimaler Start in einem neuen Land und einer neuen Liga.

Jetzt ist aber erst einmal Urlaub angesagt und da heißt es natürlich Wiedersehen mit der Familie in Österreich zu feiern. Und der Christkindlmarkt wartet ja auch schon...

Ein paar Wochen die Energietanks auffüllen und dann mit Vollgas ins Jahr 2013 starten. Ich muss euch sagen: Ich freu' mich jetzt schon!

Alles Gute bis dahin!

Euer Michi

 


 

Über Michael Gspurning
Michael Gspurning wurde 1981 in Graz geboren und wuchs in der Steiermark auf. Seine fußballerische Karriere begann beim ASK Voitsberg in der Regionalliga Mitte. 2000 verließ er Voitsberg und wechselte nach Wien zur Austria. Nach nur einem Jahr in Wien, wechselte der groß gewachsene Keeper zum DSV Leoben und in der Folge zum SV Pasching. 2007 startete Gspurning sein Auslandsabenteuer, er wechselte nach Griechenland zu Skoda Xanthi. In der Winterpause 2012 verließ er Europa und versuchte sein Glück in der nordamerikanischen MLS, bei den Seattle Sounders. Dort ist Michael Gspurning nicht nur Stammtorhüter, sondern auch Publikumsliebling. In seiner Kolumne berichtet der 3-malige Nationalspieler (zuletzt im Juni 2009) über den Fußball, das viele Reisen und sein Leben in den USA.